Maaret Westphely MdL

Sprecherin für Wirtschaft, Regionalentwicklung, Tourismus, Eine-Welt-Politik

Maaret Westphely: Zukunftsfragen zum Wettbewerb und zur Energiewende im Mittelpunkt

Grüne Landtagsabgeordnete besuchen Stahlwerk Georgsmarienhütte

Um die Herausforderungen der Zukunft ging es bei einem Besuch von Grünen Landtagsabgeordneten beim Stahlwerk Georgsmarienhütte. Sie folgten damit einer Einladung der Geschäftsführung.

 

Aktuell bereitet dem Stahlwerk die schwierige Wettbewerbssituation Sorgen, wie der Geschäftsführer Technik des Stahlwerks Georgsmarienhütte, Dr. Henning Schliephake, berichtet: „Der internationale Markt ist von einem Überangebot gekennzeichnet. China und Russland setzen mit subventionierten Niedrigpreisen unsere heimische Stahlindustrie unter Druck.“

 

„Deswegen hat sich das rot-grüne Niedersachsen Anfang des Jahres auf EU-Ebene gemeinsam mit Branchenvertretern dafür eingesetzt, dass diese Dumpingstrategie sanktioniert wird“, erläutert Maaret Westphely, wirtschaftspolitische Sprecherin der Fraktion.

Die regional zuständigen Abgeordneten aus Bramsche und Osnabrück, Filiz Polat und Volker Bajus pflichten ihr bei: „Wir wollen die Stahlstandorte in Niedersachsen erhalten.“

 

Ein weiteres Riesenthema sei für das Stahlwerk die Energiewende. Das Unternehmen stehe hinter den Zielen der Klimaschutzpolitik, man setze daher auf Energieeffizienzkonzepte. „Wir würden auch die Abwärme des Stahlofens gerne noch stärker nutzen. Dem stehen aber widersinnige Regularien auf Bundesebene entgegen. Eine Eigenstromerzeugung ist wegen des EEG-Aufschlags aktuell unwirtschaftlich, wäre ökologisch jedoch geboten“, beschreibt Schliephake das Dilemma.

„Es ist erstaunlich, was hier alles schon an Effizienztechnik läuft. Es könnte aber viel mehr passieren, wenn der Bund dafür den richtigen Rahmen vorgibt, statt Innovationen mit zusätzlichen Abgaben zu verhindern“, kritisierte Bajus, der auch energiepolitischer Sprecher der Grünen Landtagsfraktion ist. Natürlich bräuchte die energieintensive Stahlindustrie Sonderregeln beim Emissionshandel. „Auch dafür setzen wir uns ein. Aber Politik muss auch dafür sorgen, dass dennoch die Klimaziele erreicht werden. Also muss stets der aktuelle Stand der Technik zum Einsatz kommen“, ergänzt Westphely.

 

vlnr: Wolfgang Springmeier, Volker Bajus, Henning Schliephake, Maaret Westphely, Filiz Polat und Franziska Wosniok

 

In Georgsmarienhütte gibt es den Altlasten-Standort Westerkamp, an dem bis in die 90er-Jahre Gichtgasschlämme und Konverterstäube des Klöckner-Werks entsorgt wurden. „Viele Altlasten sind das Resultat von Umweltsünden des vergangenen Jahrhunderts. Wir sind uns einig, dass man seinen Müll heute nicht mehr so entsorgen würde, diesbezüglich wurden viele Maßnahmen ergriffen. Dennoch bleibt unser Ziel die Sanierung des Gebietes. Insgesamt ist die Herausforderung in Bezug auf den zeitlichen, technischen und finanziellen Aufwand riesig. Die Landesregierung hat deshalb das Gebiet für das Altlasten-Programm des Bundes gemeldet.  Das begrüßen wir“, so die regional zuständige Abgeordnete Filiz Polat.  Das sieht auch Wolfgang Springmeier, Grüner im Stadtrat Georgsmarienhütte, so: „Die Anwohner werden mittlerweile gut informiert. Die Hütte hat in den letzten Jahren sehr viel dazu gelernt. Inzwischen pflegen wir einen guten Dialog miteinander, statt übereinander“.

 

Beeindruckt zeigten sich die Grünen vom NoWASTE-Konzept, mit dem das Werk versuchen will, die Abfälle komplett zu vermeiden bzw. diese wiederzuverwenden. „Mit der im Unternehmen entwickelten NoWASTE-Strategie wird das richtige Ziel einer möglichst abfallarmen Produktion verfolgt. Wir müssen in Deutschland technologisch vorne bleiben, wenn wir langfristig international Erfolg haben wollen. Toll, dass man hier voran schreitet“, betont der Umweltexperte Bajus.

 

Hintergrund:

Das Stahlwerk Georgsmarienhütte ist mit 1300 Mitarbeiter*innen einer der wichtigsten Arbeitgeber in der Region. Hier wird ausschließlich Schrott eingeschmolzen und größtenteils für Produkte in der Automobilindustrie hergestellt. 1700° C sind für das Einschmelzen nötig, der Energiebedarf ist enorm und wird seit der Umstellung auf den deutlich effizienteren Strombetrieb vollständig aus dem Stromnetz gedeckt.

Das Ziel der NoWASTE-Strategie ist es, dass nur noch werthaltige Produkte das Werk verlassen sollen. Zum einen kann durch die Rückgewinnung von reinen Rohstoffen aus der Schlacke neuer Materialeinsatz eingespart werden, zum anderen wird weniger Deponieraum benötigt. Beides spart Geld und schont die Umwelt. Vorbildlich ist auch bei diesem Anliegen der Blick über die eigene Branche hinaus, um Verfahrensprozesse zu optimieren und den Kreislauf von Rest- zu Rohstoffen weiter zu entwickeln.

Anfang des Jahres haben SPD und Grüne den Entschließungsantrag „Europäische Stahlindustrie vor unlauterem Wettbewerb schützen und für faire Handelsbedingungen im internationalen Stahlmarkt sorgen!“ (Drucksache 17/4972) in den Landtag eingebracht.


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